Über den Ozean

Den Atlantik mit dem Schiff überqueren, zehn Tage auf See. Reisen, wie zu Zeiten, in denen sich die Menschen noch Zeit genommen haben.

 

 

Wir sitzen gemütlich vor unserem kleinen Bungalow, in dem wir es uns die letzten beiden Wochen in Brasilien gemütlich gemacht haben. Viel ist uns in dieser Zeit durch den Kopf gegangen, oft waren wir hin- und hergerissen zwischen Glücksgefühlen und Trauer, zwischen Begeisterung über den Teil der Reise, der noch vor uns liegt und Wehmut bei der Erinnerung an das, was die letzten 11 1/2 Monate war. Was noch vor uns liegt, das war eigentlich und ausnahmsweise ganz genau geplant. Mit dem Frachtschiff den Atlantik überqueren. Der Abfahrtstermin seit über einem halben Jahr fix. Die Überfahrt bezahlt. Freunde und Familie informiert, wann und wo wir ankommen werden. Aber wie so oft auf unserer Reise, kommt dann doch alles anders. Zuerst ändern sich der Abfahrtstermin und das Ziel. Rotterdam statt Algeciras, 2.500km trennen die beiden Orte voneinander.

 

„Bitte beachten Sie bei Ihrer Reiseplanung, dass kurzfristige Änderungen des Fahrplans möglich sind.“

 

Wir nehmen es mit Humor, passt ja auch irgendwie dann alles wieder zusammen. Zum Schluss dann noch eine weitere Nachricht vom Hafenagenten, der Abfahrtstermin hat sich erneut geändert. Wir müssen los. Jetzt sofort. In drei Stunden am Hafen sein, das Schiff legt heute ab. Der Hafenagent scheint selbst im Stress zu sein, denn seine Nachrichten sind abgehakt wie im Stil alter Telegraphen-Texte verfasst. Nachdem wir zwei Wochen das entspannte Leben am brasilianischen Strand genossen haben, wird es jetzt nochmal hektisch. Rucksäcke in aller Eile packen und los. Wir rennen zur Bushaltestelle und rasen Richtung Hafen, wobei rasen hier eine Übertreibung ist – wir sitzen im Bus und fragen uns, wie viele nicht ausgewiesene Haltepunkte es auf der vergleichsweise kurzen Strecke geben kann. Mit reichlich Adrenalin im Blut erreichen wir schließlich den Hafen, es ist eine Punktlandung. Am Eingang wartet man schon auf uns, halb geistesabwesend gehen wir durch die Zollprüfung, ein letztes Mal werden unsere Rucksäcke gecheckt, dann folgen wir unserem Agenten. Als wir um eine Ecke biegen und sich auf einmal das Frachtschiff vor uns erhebt, können wir es kaum fassen. Das Schiff ist riesig, Container werden gerade verladen und wir wissen nicht, wo wir als erstes hinschauen sollen. Gleichzeitig stellt sich ein unglaubliches Glücksgefühl ein, das wir später an Bord, nachdem die erste Aufregung abgeklungen ist, noch viel stärker verspüren. Wir haben es geschafft! Monatelang war es unser Ziel auf dieses Schiff zu kommen und jetzt stehen wir hier. Es ist überwältigend. Da um uns herum alle voll damit beschäftigt sind, letzte Handgriffe vor der Abfahrt durchzuführen, merkt es niemand, aber wir sind in diesem Moment verdammt stolz auf uns!

 

Blick aus dem Fenster unserer Kabine

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