Salam! Backpacking durch Iran

Terroristen, Atomwaffen und sonstige Gefahren

Knapp 10.000 km sind wir schon über Land gereist und dann war es irgendwann soweit – wir gehen in den Iran. Iran hat ein schlechtes Image. Mit wem auch immer wir über das Land sprechen, heißt es stets: Passt auf euch auf! Iran ist gefährlich! Dort leben doch so viele Extremisten? Zu guter letzt ist das Land im Frühling wieder in die Schlagzeilen geraten, als Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit Iran verkündet hat. Das alles hat uns natürlich in Gedanken begleitet, als wir eines morgens Anfang August zur Grenze nach Iran aufgebrochen sind. Angst hatten wir nicht, viel mehr waren es die Unsicherheit, wie das Land und die Menschen dort tatsächlich sind und was uns erwarten wird, die nervös gemacht haben. Die letzten Meter zur Grenze waren deshalb auch ein echter Nervenkitzel. Treffen wir gerade eine unüberlegte Entscheidung? Werden wir uns unwohl fühlen? Wie werden die Iraner auf uns Ausländer reagieren? Und ist die Sittenwache dort wirklich so streng und radikal wie man hört?

Nach einem Monat quer durch das Land können wir sagen: Iran birgt tatsächlich mehrere Gefahren.

1.) Von den Menschen überrascht zu werden: Noch nirgends wurden wir so mit offenen Armen empfangen und noch nirgends waren die Menschen so herzlich zu uns wie in Iran. Teilweise jubelten uns Leute auf der Straße schon fast hinterher.

Mister, can I help you? Gastfreundschaft auf Persisch

2.) Von der Natur überwältigt werden: Ja, Iran im Sommer ist ein Glutofen, aber das Land besteht nicht nur aus brennenden Wüsten, sondern ist extrem vielfältig. Von den üppig grünen Wäldern im Norden am Kaspischen Meer, zu den Wüsten in Zentral- und Ostiran mit seinen idyllischen Oasendörfern, bis zu unbeschreiblichen anderen Orten, die wir nicht verraten möchten, Iran ist ein Naturerlebnis. Und ein Land der Berge. Diese sehen einfach nur fantastisch aus und sind mit Worten nicht zu beschreiben. Schwarz, weiss, rot, grau gefärbt und in so seltsamer Weise aufgeschichtet und aufgetürmt, dass es aus der Entfernung wie eine 3D Computeranimation aussieht – unglaublich.

Wüste gibt’s in Iran viel!

Unglaubliche Gesteinswelt

3.) Islamische Architektur kennenlernen, die begeistert: Iran beherbergt einige der wohl schönsten Moscheen der Welt, die wie aus 1000 und 1 Nacht anmuten.

Masjid-e Shah in Esfahan

4.) Nicht mehr gehen zu wollen: Iran ist völlig anders als das mediale Bild bei uns zu Hause transportiert. Wir haben uns von Anfang an wohl gefühlt und unsere vielleicht unterbewusst vorhandenen Sorgen sehr schnell abgelegt. Iran ist außerdem ein sehr sicheres Land mit unglaublich freundlichen und herzlichen Menschen, die nur darauf warten, der Welt zu zeigen, wie ihr Land tatsächlich ist. Die persische Kultur ist jahrtausende alt und einen Teil davon zu erleben eine große Bereicherung.

Nicht zu vergessen, das Essen!

Zwischen Tradition und Moderne – Liberale vs. Religiöse

Nach einem Monat in dem Land haben wir das Gefühl, einen guten Eindruck in die doch tief gespaltene Gesellschaft bekommen zu haben. Die Auseinandersetzungen zwischen Konservative und Liberale, stellt uns vor große Fragezeichen bezüglich der Zukunft des Landes. Oft hatten wir das Gefühl, dass die Menschen gehemmt sind durch die moralischen Zwänge, die ihnen durch die Mullahs auferlegt werden, dass es eigentlich gegen ihre Natur geht, sich diesen Vorschriften zu unterwerfen. Gleichzeitig sind in vielen Städten Frauen im schwarzen Schleier, dem Tschador,  der Ausdruck besonderer Frömmigkeit ist, nach wie vor häufig anzutreffen. Es fällt schwer nach wenigen Wochen ein Fazit zu ziehen, auch wenn wir zahlreiche, erstaunlich offene politische Gespräche mit Einheimischen geführt haben. Die Zukunft wird sicher auch sehr stark davon abhängen, inwieweit sich das Verhältnis zu den USA verbessert. Unter Präsident Trump ist damit nicht zu rechnen und so leiden die Menschen momentan unter den harten Sanktionen.

Multiethnische Gesellschaft mit Lebensweisen wie vor 500 Jahren

Auch wenn wir selbst keine Begegnung mit ihnen hatten, gibt es sie doch noch immer: Nomaden. Bis heute gehen ca. 2 Millionen Iraner dieser traditionellen Lebensweise nach und ziehen mit ihrem Vieh durch das Land. Aber auch so haben wir einen Eindruck von der großen ethnischen Vielfalt bekommen. Von den Azeris im Norden bis zu den Arabern am Golf, in beinahe jeder Stadt haben die Menschen ein anderes Erscheinungsbild. Und so ist Iran ein riesiges Puzzle, das nur schwer zu ergründen ist, aber definitiv besucht werden sollte!

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3 Antworten

  1. Razvan sagt:

    Die Iraner werden sich sicher freuen, dass ihr so ein positives und vor allem unerwartetes Bild von ihnen und ihrem Land habt…und wir auch noch davon profitieren können. Nach dem Podcast…hat sich auch mein Bild vom Iran total verändert! Toller Beitrag und auch für mich mehr als Inspiration evtl. mal da vorbei zu schauen. Wie lange wart ihr insgesamt dort? Schöne Grüße aus der REIBU! 🙂

    • Philipp sagt:

      Wir waren etwas über 4 Wochen dort und hatten wirklich eine tolle Zeit. Die Kultur ist so offenherzig und die Leute freuen sich über jeden Touristen. Kann nur empfehlen, sich das Land mal anzuschauen! Nur würde ich das nächste Mal im Frühling kommen. Im Sommer bekommt das Wort „Hitze“ in Iran eine ganz neue Bedeutung 😉 Frage mich, wie bei dir die Planung läuft. Nicht mehr lange, dann geht’s in die heiße Phase schätze ich? Grüße zurück in die REIBU. Was würde ich hier manchmal für eine gute Bretzel aus dem Café dort geben 🙂

  2. Patrick sagt:

    Das sind die scheiß Medien, die zeigen einem eben nur das, was sie uns zeigen möchten, darum guck ich auch keine Nachrichten und will mir selber ein Bild davon machen.