Kolumbien – mehr als Guerilla, Escobar und Comuna 13

Wir wechseln den Kontinent von Asien nach Südamerika, wo wir die letzten Monate unserer Reise verbringen wollen, bevor es zurück nach Europa geht und wir einmal die Welt umrundet haben.

Trotz der langen Zeit die wir bis jetzt unterwegs sind, sind wir vor jedem neuen Land immer noch aufgeregt und voller Spannung, was uns erwarten wird. Schon bei den Vorbereitungen zu Südamerika wird uns eins schnell klar: Im Bezug auf unsere geliebte Freiheit sowie die Sicherheit im Alltag müssen wir uns jetzt nochmal umstellen. Wahrscheinlich fragt ihr euch an dieser Stelle: “Umstellen was die Sicherheit betrifft, nach Ländern wie Iran, Pakistan und Indien?“.
Ja! Fakt ist, dass die Alltagskriminalität hier in Südamerika einfach nochmal eine ganz andere ist. Natürlich gab es auch in Pakistan und Indien – das gehört zur Wahrheit des Reisens in diesen Ländern dazu – brenzlige Situationen und Momente, wo wir uns bei Dunkelheit nicht auf der Straße aufhalten wollten. Jedoch bestätigen hier in Südamerika die Ausnahmen, besonders in den großen Städten oder auf sehr abgelegenen Pfaden, die Regel. Nicht zu weit abseits gehen und nie zu leichtsinnig werden. Die nötige Vorsicht schränkt uns vor allem zu Beginn in Kolumbien sehr ein. Trotzdem möchten wir uns selbst ein Bild machen, es wäre nicht das erste Mal, dass wir überwiegend positiv überrascht werden.

Bogotá und Mick Jagger

Mitten in der Nacht kommen wir also in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá an. Dass hier andere Regeln gelten sobald es dunkel wird und die vielbeschriebene Sicherheitsthematik ernst genommen werden muss, merken wir spätestens, als unser Taxifahrer an keiner roten Ampel anhält. Kaum jemand ist zu dieser Uhrzeit noch abseits des Stadtkerns zu Fuß unterwegs, so gut wie alle Türen und Fenster sind vergittert, die Grundstücke mit Zäunen und Alarmanlagen gesichert. Ganz anders tagsüber, hier sprüht die quirlige, bunte Stadt und überall weht Musik durch die Luft. Da wundert es nicht, dass sich hier einst der gute Mick die lokale Süßigkeit hat schmecken lassen, die es heute als “Obleas de Mick Jagger“ für ein paar Pesos bei den Straßenverkäuferinnen zu kaufen gibt. Natürlich verkauft jeder das „Original“. Marmelade und Käse? Nicht nur als Füllung der Oblade, auch Kekse, Torten und heiße Schokolade genießt man hier gerne “con queso“.

Ausblick über Bogotá

Solo un poco Español

Nach ein paar Tagen in der bunten Stadt, zieht es uns wieder mal raus in die Natur. Je ländlicher es wird, umso schwieriger verstehe ich das Spanisch. Philipp ist sowieso ganz raus. Da hat sich die ein oder andere Übungseinheit vorab doch schon sehr gelohnt, denn dass hier vielerorts ohne Spanisch gar nichts geht, hätten wir nicht gedacht. Dazu kommt, dass die Einheimischen, spürbar stolz auf ihre Sprache, nicht etwa langsamer sprechen wenn da so ein Gringo mit “Disculpa me, hablo solo un poco español…“ um die Ecke biegt, es jedoch sehr schätzen sobald man ein paar Worte ihrer Sprache spricht. Durch ihre sehr nette und liebenswürdige Art, fühlen wir uns unter den Kolumbianern schnell wohl, auch wenn ein Fünkchen Distanz gegenüber dem Gringo trotzdem immer spürbar ist. Und so langsam stellt sich dann auch ein anderes Gefühl als Wachsamkeit ein – Vertrauen. So ganz loslassen können wir jedoch nicht, ein Quäntchen Vorsicht schwingt hier in Südamerika immer mit.

Kolumbien nie ohne Musik

Aufstieg auf 4800m endet im Schneesturm

Wir sind überrascht was für eine atemberaubende Natur Kolumbien zu bieten hat. Auf unserer Reise durch das Land sehen wir neben unzähligen verschlafenen Kolonialstädten, wo im gepflasterten Seitensträßchen ein alter VW Käfer ruht, wunderschöne Natur.

Ein alter Käfer, typisches Straßenbild in den kleinen Dörfern

Dass sich von Nordwesten bis zur Südspitze Südamerikas die Anden entlangziehen wussten wir vorab, dass wir jedoch einen 4800m hohen Gipfel besteigen werden, wo uns oben zur Belohnung ein Schneesturm empfängt, hat uns selbst überrascht.

Aufstieg auf 4800m

Ein typisches kolumbianisches Gericht

Von der Mandarine über die Papaya und unzähligen Früchten, von denen wir noch nie gehört haben, wächst hier in Kolumbien dank der verschiedenen Höhenlagen und Klimata so gut wie alles. Nicht zu vergessen, der weltbekannte kolumbianische Kaffee. Da wundert es uns, wo denn der köstliche Kaffee, den wir als Kaffeeliebhaber so herbeigesehnt haben und das ganze frische Obst sowie Gemüse eigentlich landet. In unseren Tassen und auf unseren Tellern finden wir es jedenfalls auf Anhieb nicht, da müssen wir schon richtig suchen. In den kleinen einheimischen Lokalen, die meist sehr einfach gehalten sind, steht nach allerhöchstens zehn Minuten das typische “Almuerzo“ (Mittagessen) vor uns auf dem Tisch. Immer dabei, vorab eine Suppe (unser Favorit), gefolgt von einem Schlag Reis und ein paar Pommes, einem kleinen Maisfladen, dazu ein gutes Stück Fleisch (oft sehr zäh), ein Stück Riesenavocado (haben wir vorher noch nie gesehen) und etwas Bohnen. Dazu eine Spur Gemüse und die obligatorische Kochbanane. Für den Hunger zwischendurch bekommt man an jeder Ecke die zu Beginn noch sehr verführerischen Empanadas, fritierte Teigtaschen die man mit verschiedenen Soßen aufpeppen kann. Die klassischen Gerichte sind also alles andere als leichte Kost und liegen uns beim ein oder anderen Aufstieg schonmal schwer im Magen.

Almuerzo en Colombia

Vom leckeren Obst und den unzähligen exotischen Früchten können wir hingegen nicht genug bekommen. Unser Favorit “Jugos“, frische Obstsäfte in allen Variationen.

Exotische Früchte

Busfahren ohne Ende, nicht ohne Belohnung

Die Strecken von A nach B stellen uns hier nochmal vor eine ganz andere Herausforderung. Nach tausenden von Kilometern, die wir bisher mit sämtlichen Ausformungen von Bussen, Minivans, etc. auf unserer Reise zurückgelegt haben, lernen wir hier das Busfahren nochmal ganz neu kennen. Für Distanzen von zweihundert Kilometern brauchen wir teilweise elf Stunden und müssen dreimal umsteigen. Die Distanzen haben wir ganz klar unterschätzt, jedoch werden wir zum Glück jedesmal auf’s Neue mit wunderschöner Natur belohnt. Hier in Kolumbien lernen wir dann auch endlich mal, wie eigentlich der Kaffee jeden Morgen in unser aller Tassen landet. Vom Pflücken der Kirsche über das Waschen der Bohne, bis hin zum Rösten und Mahlen, führen wir alle Arbeitsschritte an der Seite von Heime, einem herzlichen einheimischen Kaffeebauern, selbst und von Hand aus.

Kaffeeplantage und Bananenstauten

Und igendwann ist es dann mal wieder so weit, nach schönen eineinhalb Monaten verabschieden wir uns von diesem vielfältigen Land, in dem wir uns so wohl gefühlt haben, sagen “hasta luego“ und ziehen weiter Richtung Süden.

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1 Antwort

  1. Andrea Gerber sagt:

    Wahnsinns Landschaften, herrliche Früchte und ihr zwei mittendrin!
    Wie immer anschaulich beschrieben mit unwahrscheinlich tollen Bildern.
    Wünschen euch noch ereignisreiche Wochen und passt gut auf euch auf!!