In luftiger Höhe, Reise durch die Anden

Auf dem Weg nach Süden

Wer durch Südamerika reist, trifft fast zwangsläufig irgendwann auf sie. Die Anden. Eines der größten Gebirge der Erde, verlaufen sie von Venezuela und Kolumbien im Norden des Kontinents über tausende Kilometer bis zur südlichsten Spitze in Feuerland. In Kolumbien haben wir einen Vorgeschmack bekommen, jetzt aber in Peru lernen wir die wilde Seite der Anden kennen. Aber eins nach dem anderen.

Ankunft in Lima

Voller Eindrücke verlassen wir nach sechs ereignisreichen Wochen Kolumbien und setzen unseren Weg Richtung Süden fort – immer mit dem Ziel Brasilien, wo in einigen Wochen das Schiff ablegen wird, das uns zurück nach Europa bringt. Unsere Gefühle sind im Moment gemischt. Einerseits haben wir Kolumbien, seine liebenswürdigen Menschen und die tolle Natur ins Herz geschlossen. Andererseits hat sich nach ein paar Wochen noch etwas anderes eingeschlichen, die Sehnsucht nach unbeschwerter Freiheit, die Spontaneität, dort hin zu gehen, wo unser Bauchgefühl uns hinführt und – nicht zuletzt – unser Hunger nach Abenteuer. Südamerika ist bisher nicht der Kontinent, auf dem wir das finden. Zuerst glauben wir, zu vorsichtig zu sein und uns selbst zu beschränken. Verschiedene Erlebnisse, die wir in Kolumbien haben zeigen uns aber, dass ein gewisses Maß an Vorsicht ganz einfach nötig ist und wir uns manche Dinge nicht nur einbilden. Die ständige Wachsamkeit gehört für uns hier zum Reisen dazu.

Nach langem Hin und her machen wir uns schließlich auf den Weg nach Peru. Es ist Abend und die Sonne geht gerade unter als wir ankommen und zum ersten Mal schnuppern wir peruanische Luft. Das Klima hier ist ein ganz besonderes. Es regnet so gut wie nie in Lima, die Stadt ist nach Kairo in Ägypten die zweittrockenste Hauptstadt der Welt. Tagsüber ist es angenehm warm, abends kühlt es ab, kalt wird es aber nie. Toll! Wir haben Glück und werden die ganze Zeit über mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein verwöhnt. Keine Spur vom berüchtigten Nebel Limas, der die Stadt manchmal tagelang einhüllt. Doch nicht nur das Klima tut es uns an, Lima gefällt uns auch durch seine ganz spezielle Lage, direkt am Pazifischen Ozean. Irgendwann scheint man beschlossen zu haben, die Stadt bis an den vordersten Zipfel der Klippen zu bauen, die das Meer überragen. Schon abenteuerlich, wenn man sieht, wie brüchig besagte Klippen aussehen.

Auf Klippen erbaut – Lima

Passend zur imposanten Kulisse der Stadt, geht es auch auf den Straßen ab. Es ist Semana Santa, die Osterwoche, und das ist in ganz Südamerika eine ernsthafte Angelegenheit. Straßenumzüge, Musik und ausgelassene Stimmung. Und trotzdem müssen wir sagen: der Funke will nicht so recht überspringen. Zwar sehen wir viele Musiker, aber die Peruaner stehen eher teilnahmslos drum herum. Wo ist das Latinofeuer?, fragen wir uns. Wie so oft erkunden wir die Stadt über ihr Essen und so führt unser Gang natürlich, wie immer, direkt in eines der einfachen lokale, wo fast ausschließlich nur die Einheimischen essen. Schnell das „Menu del dia“ geordert und kurz darauf stellt eine eher launische Bedienung Ceviche, eines der beliebtesten Gerichte Perus, auf den Tisch. Roher Fisch mit Zwiebeln, Mais und Süßkartoffeln. Bildet euch am besten selbst eine Meinung zu dieser Kombi.. Abends gibt’s dann obendrauf noch einen Pisco, das Nationalgetränk hier in Peru. Man nehme Schnaps, presse ein paar Limetten aus und mixe das Ganze mit geschlagenem Eiweiß. Es sei verraten: Leni hat schnell ihr neues Lieblingsgetränk gefunden.

Wüste und der Pazifik

Von Lima aus fahren wir einmal die Küste Perus entlang Richtung Bolivien. Hier ist Peru eine einzige Wüste. Sanddünen und karge Landschaft so weit das Auge reicht. Aber spektakulär schön. Auf der einen Seite immer der Pazifik, geht  es fast 1.000km voran. Alles hier wirkt deutlich rauer, wilder, als in Kolumbien. In den Bergen schließlich angekommen, bietet sich wieder ein ganz anderes Bild. Hohe schneebedeckte Gipfel, und die wilde Landschaft des Altiplano, des peruanischen Hochlands. Obwohl wir die Höhe schon gewohnt sein müssten, merken wir den Unterschied sofort..ein paar Treppenstufen steigen und dann erstmal durchatmen.

Wilde Landschaft, Perus Küsten-Highway

Übernachtung auf dem Titicacasee

Seen sind für mich irgendwie..sagen wir mal ich kenne spektakulärere Landschaften. In meiner Vorstellung war der Titicacasee deshalb kein besonderer Ort. Einfach nur ein See, nur eben hier besonders hoch gelegen. Wie ich mich da mal nicht getäuscht habe! Der Titicacasee ist für uns einer dieser besonderen Orte auf unserer Reise, die man nur schwer beschreiben kann. Das Wasser erstreckt sich tiefblau bis zum Horizont, nur begrenzt von gewaltigen schneebedeckten Bergketten, die bereits zu Bolivien gehören. Ich sage zu Leni, dass man förmlich spüren kann wie hoch der See liegt, nämlich auf fast 4.000 Meter Höhe. Verrückt, oder? Trotz der Höhe leben hier Menschen, manche teilweise auf Inseln im See, die lange von der Außenwelt isoliert waren. Mittlerweile machen die Leute in Tourismus und weite Teile der Inseln werden jeden Tag von Gruppentouristen „überschwemmt“. Uns kommt es so vor, als wäre die ganze Folklore nur für die Besucher aufgesetzt. Scheint die meisten aber  nicht zu stören. Für uns ergibt sich spontan die Möglichkeit, die Nacht bei einer einheimischen Familie auf einer Insel mitten im Titicacasee zu verbringen. Dabei bekommen wir noch einmal einen ganz neuen Einblick in das zum Teil immer noch sehr traditionelle Leben auf den Inseln, dort  wo der Tourismus eben noch nicht Haupteinnahmequelle ist. Ein hartes Leben ist das hier, das merken wir schnell. Auf der Insel genießen wir dann eine Ruhe, wie wir sie lange nicht mehr hatten. Es gibt keinen Autoverkehr, noch nicht einmal Pferde. Herrliche Stille. Tagsüber erkunden wir kleinen Pfade und finden alte Inka-Ruinen, genießen den Panorama-Ausblick von einem der vielen Aussichtspunkte über den ganzen See und lauschen der Stille um uns herum.

Höchstgelegener beschiffbarer See der Welt

Traditionelles Outfit rund um den Titicacasee

Harte Natur, widerstandsfähige Menschen

Über Peru haben wir von vielen Reisenden gesagt bekommen, das Land sei rau. Die Menschen hart, verschlossen. Wir dagegen haben ganz andere Erfahrungen gemacht. Wie überall auf der Welt, erwidern die Menschen ein Lächeln, wenn man ihnen denn eines schenkt. Schon nach kurzer Zeit schließen wir die Peruaner ins Herz. Es stimmt, die Menschen hier sind nicht so fröhlich und nicht auf Anhieb so freundlich wie die Kolumbianer. Aber hinter der etwas markanten Fassade verstecken sich tolle Menschen, die liebenswürdig sind und uns sehr nett begegnen. Manchmal muss man einfach etwas graben, um hinter dem Rauen und Spröden, die Schönheit zu entdecken. Das gilt hier in Peru sowohl für die Menschen, als auch für die Orte die wir besuchen. Die Städte sind nicht schön. Es ist schmutzig, manchmal stinkt’s und man sieht auch sehr viel Armut. Das Schöne hier, das sind die Menschen und ihre Widerstandsfähigkeit. Sie trotzen jeglichen Klimata und Höhen und finden immer einen Weg durchzukommen. Diese durch Natur und Klima bedingte Härte sieht man den Menschen förmlich an. Wenn wir aber erst einmal mit unseren paar Brocken Spanisch versuchen ein Gespräch zu beginnen, freuen sich die Peruaner doch über ein kleines Schwätzle. Das Peru, das wir so kennenlernen, gefällt uns überraschend gut und am Ende sind wir fast ein wenig traurig darüber, dass wir weitermüssen. Brasil is calling!

Ohne Kontext, ich finde die abgefahrenen peruanischen Kartoffeln einfach toll.

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3 Antworten

  1. Andrea Gerber sagt:

    Tolle Bilder, klasse Reisebericht Philipp!
    So weit weg und doch so nah durch die herrlich beschriebenen Erlebnisse.
    Ungeduldig und gespannt warten wir auf den nächsten Blog.
    Bis dahin noch viele schöne Tage.
    Love you!

    • Philipp sagt:

      Ja Mama, jetzt war’s auch mal wieder Zeit für ein paar neue Einträge 🙂 schön, dass euch das Lesen Spaß gemacht hat. Es sind schon zwei neue Podcast-Episoden in der Pipeline, ihr bekommt also bald Nachschub.

      Grüße aus Bolivien!

  2. Antje Schiemann sagt:

    Wieder ein toller Reisebericht. Sehr schön.
    Liebe Grüße Antje