Grenzerfahrung Pakistan

Reisedauer: 3,5 Wochen
Intensität und Gefühlserleben: extrem.stark
Erfahrungsausmaß: extrem.schön.

Erster Kulturschock in Karachi

Wo soll ich anfangen? Am Besten dort, wo unsere Reise in Pakistan begonnen hat, Karachi. Offizielle Einwohnerzahl: 14,9 Millionen, somit eine der größten Städte der Welt!
[Da in Pakistan keine Behörde zur Registrierung des Wohnsitzes von Personen existiert, stellen die angegebenen Einwohnerzahlen lediglich Hochrechnungen auf Basis der Volkszählungsergebnisse dar]

Unser Taxifahrer kämpft sich durch das Verkehrschaos, die Rikschahs und die vielen Menschen auf der Straße und bringt uns zu einer Unterkunft, die wir in einem der wenigen Backpacker-Blogs welche es bisher zu Pakistan gibt, gefunden haben. Was uns erwartet wissen wir bisher nicht und können es nur erahnen, als er uns in einer Seitenstraße mitten im Chaos eines riesigen Elektromarktes, und einer sehr konservativ-sunnitisch geprägten Gegend, rausschmeißt.

Chaos im Viertel des Elektromarktes

Verschluckt vom energetischen Sog

Der Lärm ist ohrenbetäubend, in der Luft liegt eine schwere Mischung aus Abgasen, Garküchen, Fäkalien und Gewürzen. Es haut mich fast um! Auf den Straßen sehe ich fast ausschließlich Männer und wir sind in windeseile der Blickfang! Um den unangenehmen Blicken etwas entgegenzuwirken ist das Kopftuch schneller wieder auf als es mir lieb ist. Es fällt schwer, die Lage in den ersten Momenten hier einschätzen zu können. Irgendwie will sich das gute Bauchgefühl einfach nicht einstellen, aber vielleicht dauert es dieses mal einfach länger, hier wo alles so extrem anders ist? Vom Chaos, den unendlich vielen Sinneseindrücken und dem Schlafmangel durch die Anreise aus Iran, sind wir völlig überladen, so dass wir den unterirdischen Zustand unseres Zimmers erst hinterher so richtig wahrnehmen. Da das Bett so gar nicht einladend aussieht, zieht es und erst Recht raus in’s Geschehen. Ganz plötzlich reist uns das Chaos auch schon ungefragt in seinen Sog, um uns für die nächsten Stunden zu verschlucken.

Barfuß auf dem “Schlachtfeld“, ab in’s Krankenhaus

Auf den Straßen sehe ich zum ersten mal schwerbewaffnetes Militär live, die Wohlfühlatmosphäre bleibt also weiterhin aus. Wir erkunden den lokalen Markt auf dem es zugeht wie im Zirkus. Fleischer sitzen barfuß auf dem “Schlachtfeld“, Mangos und Gemüse sind übersäht von abertausenden Fliegen, so etwas habe ich noch nie gesehen! Irgendwann spuckt uns der energetische Sog am Abend dann plötzlich wieder aus und wir sind völlig k.o.. Es folgt eine grausame Nacht, die uns am nächsten Tag in’s Krankenhaus zwingt. Da war wohl was am Essen schlecht, und das obwohl wir das freundliche Angebot des Fleischers abgelehnt und der köstlichen Mango widerstanden haben. Die medizinische Versorgung im Krankenhaus war jedenfalls top, zumindest so lange man nicht mit deutschen Standarts vergleicht. Nach acht Stunden kam die Infusionsnadel ab und Philipp ging es endlich wieder gut. Unser Start war also unglücklicherweise leider sehr rauh und eine echte Härteprobe!

Barfuß auf dem “Schlachtfeld“

Im Norden weht ein anderer Wind

Durch unseren Entschluss, möglichst zügig raus aus den großen Städten und das Weite im Norden zu suchen, hat sich das Blatt dann doch nochmal gewendet! Nicht nur bei Nacht, als der riesige Gletscher des Rakaposhi seinen eisigen Wind in unser Zelt trägt, auch in der Kultur, die sehr herzlich und viel entspannter ist, weht ein anderer Wind. Das Essen ist hier oben sehr einfach und frisch! Je nach Gebiet werden die sehr traditionell gekleideten Frauen zwar von ihren Männern fern der Öffentlichkeit gehalten, aber die allgemeine Haltung ist hier oben in der Natur spürbar entspannter. Als Touristin kann ich mich hier problemlos und frei, ohne Kopftuch, bewegen und da kommt dann auch endlich das gute Bauchgefühl!

Unendliche Freiheit und gutes Bauchgefühl

Wände und Relationen

Wir sind in der Region Gilgit-Baltistan, sehen hier das höchste Gebirge der Welt den Karakorum und erleben die erbarmungslose Gewalt der Berge am eigenen Leib, als wir vom Muskelkater geplagt einen langen Abstieg vom Rakaposhi Basecamp zurücklegen. Die riesigen Berge sind wie Wände und verändern Relationen in meinem Kopf, als ich in Hunza aus unserem Zimmer stolpere und gleich drei 7000er sehe, die dort ganz selbstverständlich nebeneinander ruhen, einfach so! Einige Tage später sehen wir dann einen echten Giganten, unseren ersten 8000er. Er ist einer der höchsten Berge der Erde und misst stolze 8126m, der Nanga Parbat. Der Norden Pakistans vereint gleich drei gigantische Gebirge: Karakorum, Himalaya und Hindukusch, das gibt es so kein zweites Mal und ist ein einmaliger Anblick. Für alle Bergsteiger, Trekker oder reisende Naturliebhaber wie uns, denen es an vernünftiger Ausrüstung mangelt, ein wahnsinns Erlebnis.

on top of the world

Am Ende Wehmut auf der Seidenstraße

Als ich morgens in Passu, ganz nah an der Grenze zu China, auf der Seidenstrasse stehe und wir uns per Anhalter auf den Rückweg machen um Pakistan nach starken drei Wochen zu verlassen, werde ich fast etwas wehmütig. Ende gut alles gut!

Seidenstraße kurz vor der Grenze zu China

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2 Antworten

  1. Ramona sagt:

    Hallo ihr Zwei,
    Ich habe eure Podcasts und Blogs mit großem Interesse angehört und gelesen, da wir gerade auf einer ähnlichen Reiseroute unterwegs sind, wie ihr es letztes Jahr wart. Ich hoffe ihr seid wieder gut in der Heimat angekommen und habt euch wieder gut eingelebt ;-).
    Wir sind gerade in Armenien und werden in den kommenden Tagen in den Iran einreisen. Von dort soll es weiter nach Pakistan gehen. Ich würde euch gerne ein paar Fragen zu Pakistan stellen, wenn ihr Zeit und Lust habt sie zu beantworten. Vielleicht könnt ihr mir ja eine Mail schreiben.
    Ich würde mich freuen!
    Viele Grüße
    Ramona