Entscheidungen, die dank einer Münze getroffen werden, oder auch nicht

Sumatra

Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir das Abenteuer Sumatra wagen wollen oder nicht. Eigentlich stand Indonesien ja gar nicht auf dem Plan, aber als wir mal wieder über der Karte hingen, kam Philipp plötzlich mit Sumatra um die Ecke. Sumatra? Aceh? Tsunami!
Ich denke jeder erinnert sich noch an den furchtbaren Tsunami von 2004, dann erst letztes Jahr erneut mehrere schlimme Erdbeben die wieder mal Indonesien trafen. Kein Wunder, dass wir bei der Recherche erstmal auf eine Menge Reisewarnungen stoßen. [Sumatra liegt auf dem pazifischen Feuerring, durch das Aufeinandertreffen mehrerer Kontinentalplatten kracht es hier regelmäßig. Naturkatastrophen sind hier also keine Seltenheit sondern Fakt.] Die Entscheidung zieht sich über Tage. In meinem Kopf spielen sich kurz mal Horrorszenarien von Erdbeben und riesigen Flutwellen ab.

Und jetzt?

Irgendwann reicht es uns mit der Entscheidungsfindung und wir werfen spontan eine Münze. Und was zeigt die Münze? Kein Sumatra!
Hier wäre die logische Konsequenz jetzt eigentlich klar, aber wir hören mal wieder auf unser Bauchgefühl und entscheiden uns so für Sumatra und für das Abenteuer. Bei den Vorbereitungen finden wir nur sehr wenig brauchbare Infos zum Reisen auf Sumatra, was das Ganze für uns noch reizvoller macht. Wir ahnen schon, dass Sumatra wohl ziemlich wild ist. Unser Eindruck vorab formt sich nicht nur wegen der letzten wilden Orang Utans (die es sonst nur noch in Teilen Borneos zu sehen gibt), es soll neben einem riesen Dschungel auch aktive Vulkane und exotische Inseln mit riesigen Korallen geben. Also, los geht’s!

Erste Nacht inklusive Einschlaflied und Wecker

In Sumatras Hauptstadt angekommen erwartet uns erstmal ein kleiner Schock. Medan, Sumatras Hauptstadt, erinnert uns im ersten Moment an die ein oder andere indische oder pakistanische Stadt, die auf den ersten Blick einfach nur laut, dreckig und arm ist.

Erste Stärkung in Medan, leckere lokale Spezialität

Nach einer Nacht in einem kleinen einfachen Zimmer, direkt gegenüber einer Moschee, sind wir erstmal gerädert. Morgens um fünf, also mitten in der Nacht, weckt uns der Muezzin, achso und in den Schlaf gesungen hat er uns freundlicherweise auch. Da konnten selbst die Ohropax keine Abhilfe mehr leisten. Dauerbeschallung non stop! Also nichts wie weg hier und ab in die Natur.

Erste Nacht in Medan gegenüber der Moschee

Freilebende Orang Utans

Nach einer langen Fahrt, auf weniger guten Straßen, harter Verhandlung mit der Busmafia und einem Fußmarsch zur Unterkunft über wackelige Brücken, kommen wir endlich im Dschungel an. Die Atmosphäre mitten im Dschungel, der Ausblick und der Wildwasserfluss direkt vor der Tür entschädigen uns sofort für den anstrengenden Reiseweg.

Abkühlung nach Ankunft

Beim Trekking durch den Dschungel wird uns vorab von Rain unserem Guide erzählt, dass wir zu einer ehemaligen Orang Utan Auswilderungsstation wandern werden, wo wir mit etwas Glück die wilden Orang Utans sehen können. Nach langem Suchen ist es dann endlich soweit. Aus nächster Nähe schwingt sich ein gewaltiges Weibchen langsam und kraftvoll die Bäume runter, das lässt mir den Atem stocken und ich bewege mich keinen Zentimeter vom Fleck. Dazu gesellen sich drei weitere Orang Utans, unter ihnen sogar ein Junges.

Moment des Staunens

Leider wird unsere Freude zwischendurch etwas getrübt, als wir einen Guide beobachten, der einen der Affen aus der Hand füttert. Die einst ausgewilderten Affen werden wie ich finde dadurch wieder vom Menschen abhängig gemacht und in ihrer natürlichen Lebensart einfach gestört.

Vulkane und Geisterstädte

Einen weiteren Stop legen wir am Fuße zweier Vulkane ein. Einer davon ist aktiv so dass rund herum Sperrgebiet ist. Im Sperrgebiet nahe des gewaltigen Vulkans besuchen wir eine Geisterstadt die seit dem letzten Ausbruch verlassen ist.

Verlassenes Wohnzimmer

Vereinzelt treffen wir auf ehemalige Dorfbewohner, die dort tagsüber in ihren verlassenen Häusern ihrem alten Leben nachhängen oder auf ihren Obstfeldern arbeiten. Wegen der vulkanischen Erde explodieren dort die Obstbäume und Gemüsefelder und wir können gar nicht genug von Salak, Mangosteen und Papaya bekommen. Lange wollen wir hier oben allerdings dann doch nicht bleiben, da die Atmosphäre irgendwie etwas bedrückendes hat.

Ausblick auf einen der Vulkane von unserem Dach

Gibt es die Inseln vorne auf den Postkarten wirklich?

Ich wollte schon immer mal herausfinden ob die Inseln, die man von den Postkarten kennt, tatsächlich irgendwo auf der Welt existieren, oder ob das alles nur Illusion ist. Und hier kommt die Auflösung: Es gibt sie wirklich! Noch nie habe ich so türkisfarbenes Wasser und eine so postkartenhafte Kulisse gesehen, wie auf den kleinen Inseln an der Westküste Sumatras.

Hier haben wir uns wirklich wie Robinson Crusoe gefühlt, also Philipp auf jeden Fall. In einer von fünf einfachen Strandhütten mit minimaler Ausstattung, nur wenige Stunden Strom am Tag, völlig abhängig von Musa, der die Hütten in Schuss hielt und übrigens ein toller Koch war. Als wir morgens nach dem Frühstück rechtsrum loslaufen kommen wir nach zwei Stunden linksrum wieder zurück und haben einmal die Insel umrundet. Puh, jetzt erstmal abkühlen im kristallklaren Wasser und dazu eine Kokosnuss vom Baum (sorry, aber war wirklich so!) und dann gibt es auch schon fast wieder Mittagessen…und wie jeden Tag, welch eine Überraschung! Fisch mit Reis.

Robinson Crusoe

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