Ein neuer Blick auf die Heimat

Ein Jahr ist vergangen, seitdem wir mit unseren Rucksäcken losgezogen sind. Jetzt sind wir zurück. Daheim. Aber was genau heißt eigentlich„Daheim“?

 

 

Ich weiss es noch genau, es war Ende Juni 2018. Wir räumen gerade die letzten Gläser ab, die Abschiedsparty ist vorbei und die letzten Gäste sind auf dem Heimweg. Freunde waren nochmal da, die Familie. Wir waren lange so aufgeregt und mit allem möglichen beschäftigt, dass wir uns aufs Abschiednehmen gar nicht richtig einstellen konnten. Und jetzt sind alle weg, wir haben sie für mindestens ein Jahr das letzte Mal gesehen. Ein komisches Gefühl und innerlich waren wir total aufgewühlt. Es war ein Gefühl, dass uns die ersten Tage und Wochen unterwegs begleitet hat, bis wir irgendwann dann richtig angekommen waren im Reisen. Die Entscheidung zu der Reise haben wir nicht von heute auf morgen gefällt. Es war mehr ein Gefühl, ein Gedanke, der sich immer mehr verselbständigt hat und irgendwann so groß war, dass der ganze Alltag davon bestimmt war. Keine einfache Zeit und konfliktfrei schon gar nicht. Wir wussten also, irgendwann müssen wir uns entscheiden: Machen wir’s? Trauen wir uns? Was passiert mit der Arbeit, der Wohnung? Man macht sich so viele Gedanken, versucht alles zu bewerten, zu berücksichtigen. Aber am Ende ist es ein Impuls, eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Wir machen es. Was nach der Reise sein wird spielt in dem Moment keine Rolle und das soll es auch nicht. Alles wird sich schon irgendwie ergeben. Wie es aber tatsächlich ist, dann auch wieder zurückzukommen, konnten wir uns nicht ausmalen.

 

Wir sind zurück! Und jetzt?

 

Vor der Reise dachten wir, das Davor sei der harte Teil. Die Unsicherheit und am Ende dann der Abschied von den Liebsten. Das stimmt auch. Wir haben aber nicht damit gerechnet, dass uns die Heimkehr mindestens genauso schwer fallen würde. Ob man es glaubt oder nicht, eine Reise verändert. Wir sind nicht als neue Menschen zurückgekehrt, aber mit neuen Sichtweisen und anderen Prioritäten. Und neben all den praktischen Schwierigkeiten der Rückkehr, schleicht sich ein neues Gefühl ein, ein Gefühl von Vertrautheit. Heimat, das war für uns früher etwas Unausgesprochenes. Ist halt da, wo man wohnt. Jetzt aber merken wir, dass sich etwas getan hat. In den ersten Tagen ist es ein Mix aus tiefer Trauer, dass das Jahr vorbei ist und einem Glücksgefühl, dass wir wieder zu Hause sind. Uns fallen auf einmal Dinge auf, die uns vor der Reise nie bewusst waren. Die Schönheit der Landschaft, das nette und lockere Miteinander im Dorf, das riesige Angebot an Kultur und die Möglichkeiten sich einzubringen und mit anzupacken. Familie und Freunde in der Nähe. Und vom guten Deutschen Essen will ich gar nicht erst anfangen! Quer über den Globus haben wir nicht nur andere Länder und Kulturen kennengelernt, wir haben auch Deutschland und unsere Heimat lieben gelernt. Details der Fremde haben uns etwas darüber beigebracht, was es bedeutet, Europäer zu sein, was für einen kulturellen Schatz wir hier haben, manchmal versteckt, oft aber selbst im kleinsten Dorfkern zu finden. Heimat ist für uns nicht mehr nur der Ort aus dem wir kommen, es ist ein Ort, den wir selbst mitgestalten möchten. Heimat ist für uns noch viel mehr als früher auch Geborgenheit und Entdecken. Und genau das machen wir jetzt, wir entdecken…

 

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2 Antworten

  1. Toller Bericht, der Mut macht, dass das Leben in der Heimat weiterhin lebenswert ist. Schon allein das Tantedasein/Onkel in spe ist wertvoll und die vielen schönen Laufwettbewerbe im Kreis Calw …

  2. Andrea Gerber sagt:

    Wunderbarer Bericht, schön das ihr es so seht! Du und Leni, ihr könnt alles schaffen.
    Wir empfinden tiefe Dankbarkeit euch wieder zu haben.
    Willkommen daheim!!!!!